Mittwoch, 27. Juli 2016

Landschulheim Schloss Heessen

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Tag des Offenen Denkmals 2008 – "An einem Tag Jahrhunderte durchschreiten"

Vor dem Schlosstor begrüßte Bischof Liudolf von Osnabrück (gespielt vom Münsteraner Archivpädagogen Dr. Wolfhart Beck) im feierlichen Ornat die Gäste. Sein Schreiber und Kanzlist (Chrispian Schwienhorst) hatte im Jahr 975 die Urkunde verfasst, in der der Ort „Hesnon - Heessen“ zum ersten Mal erwähnt wird. Ausgedruckt auf einem riesigen Stoff-Transparent, bildete sie Kulisse der Szene.

Eine Urkunde aus dem Jahr 1360 wurde in der zweiten Spielszene zum Leben erweckt: Ritter Dietrich IV. von Volmerstein (Crispin Eisentraut), seine Mutter Agnes von Döring (Marlen Balhorn) und der Heessener Pfarrer Dyderich (Thorsten Winrich) verhandelten über den Tausch von Ländereien, um ein angemessenes Baugrundstück für eine eigene Burg zu bekommen.

Der historische Parcours führte weiter zum Torhaus, wo der streitlustige Ritter Jobst von der Recke (Nicolai Schober) über die Schrecken des 30jährigen Kriegs, über Zauberei und die Hexenprozesse berichtete, die unter seiner Gerichtshoheit in Heessen stattfanden. Während der Ritter bedrohlich mit seinem Dolch agierte (keine Angst: Ritterspielzeug aus dem 21. Jahrhundert), war das originale Richtschwert aus dem 16. Jahrhundert, das der Baron von Boeselager uns eigens für diesen Tag zur Verfügung gestellt hatte, in einer Vitrine im Schlossfoyer zu bewundern.

Das Transparent mit der bunten Wappen- bzw. „Aufschwörungstafel“, mit der die Heessener Schlossherren ihre adelige Herkunft nachwiesen, führte zur Szene über den Schlossalltag im 17. und 18. Jahrhundert. Am historischen Ort vor der Rentei hatte der Rentmeister (Jutta Berger) seinen Schreibtisch bezogen. Die hörigen Bauern, die auf den Boeselagerschen Besitzungen ihre Dienste leisten mussten (Sven Kron, Kai Seeger, Florian Renz, Jan Berger, Marla Ophaus, Liv Schmid, Florentine Grunenberg und Marie Jäger), hatten nicht viel zu lachen.

Und dass auch die Adeligen „oben im Schloss“ (Elena Balhorn und Marc Krause) nicht immer Feste oder Hochzeiten feierten, verriet ein junger Schlossherr (Jonas Thomaschewski), der offenbar mit seinen Lateinübungen die gleichen Schwierigkeiten hatte wie heutige Schlossschüler. Zumindest wurde dies von Lateinlehrerin Michaele Kaltbeitzer festgestellt, die sich aus dem „off“ in die Szene einschaltete.

Vor dem Kapellenturm erläuterte Bauleiter Wucherpfennig (Eric Kerstan) die neugotischen Umbauarbeiten zu Anfang des 20. Jahrhunderts einem interessiert nachfragenden Zeitreiseleiter (Nicolas Thomaschewski) und...

...im Schlossinnenhof konnten die Besucher ein Interview der „Schriftleiterin“ Maria Hunsteger-Petermann mit dem „NS-Studentenführer“ Hoffmann verfolgen. Er stand dem „NS-Wissenschaftslager“ vor, das die Universität Münster in den Jahren 1935 bis 1939 im Schloss unterhielt. Nach längeren Diskussionen hatte die AG entschieden, auch die „dunklen Kapitel“ der Schlossgeschichte an diesem Tag nicht auszublenden.

Viel Zeit investierten die „Schlossgeschichtler“ in die Kostüme, die sie im Fundus der Waldbühne Heessen aussuchten oder selbst herstellten.

 

Noch bei den letzten Proben wurden Teile der Spielszenen umgeschrieben, die Hintergrund-Transparente mussten genäht, gelocht und vorsichtig an den denkmalgeschützten Wänden des Schlosses befestigt werden.

 

Geschichtslehrer Klaus Ruebesamen verbrachte Stunden mit dem Text für die Schauspieler, mit dem Schmieden von Piken und Hellebarden, dem Aussägen von großen Schreibfedern und der originalgetreuen Präparierung weiterer Requisiten.

 

Als kurz vor der Aufführung der Darsteller des „Franziskaner-Bruders Pius“ (Hendrik Untied) erkrankte, lernte ein Vater (Dr. Klaus Thomaschewski) über Nacht den Text und sprang ein. Ein großartiges Team!

Am Abend, nachdem alle Szenen ca. 15 Mal zum Besten gegeben worden waren, waren alle Beteiligten erschöpft aber glücklich. Nicht zuletzt hatte auch das gute Wetter seinen Teil zum Erfolg beigetragen.

 

Über 1000 Zuschauer und Zuschauerinnen freuten sich an Rittern, Burgfräuleins, Bauern und anderen historischen Persönlichkeiten, die die Schlossgeschichte bewegten und prägten. Auch das Lokalradio und die örtliche Presse berichtete sehr positiv – und der Baron von Boeselager hatte die Schauspieler spontan nach Höllinghofen zu einer privaten Schlossführung eingeladen ...

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Hier können Sie sich noch einmal alle Bilder dieses besonderen Tages in zwei Diashows ansehen (Hierzu bitte jeweils ein Bild anklicken und in der Show jeweils rechts und links zum Navigieren) :

Diashow 1

Diashow 2

 

 

Dokumentation in:

- Gunnar Teske, Der Landeswettbewerb „Archiv und Jugend“. Eine Zwischenbilanz, in: Archivpflege in Westfalen-Lippe 71 (2009) S. 12-19.
- Wolfhart Beck, Schüler forschen im Archiv. Ein archivpädagogischer Führer für Schülerinnen und Schüler durch das Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, hrsg. v. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (Veröffentlichungen des Landesarchivs NRW 29) Düsseldorf 2010.

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